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6. Bezirk, Mariahilf

Das heutige Flair des 6. Bezirks ist ganz wesentlich durch die geschichtliche Entwicklung der alten Vorstadt geprägt. In Mariahilf siedelten sich schon sehr früh Handwerker aller Sparten an, und diese traditionelle Kleingewerbestruktur gab dem Bezirk bis heute sein eigenes Gesicht und ein gesundes, soziales Gefüge. Heute ist der 6. Bezirk ein sehr dynamischer, urbaner Bezirk und zieht daher besonders auch StudentInnen und junge Menschen an. Die Gumpendorfer Straße hat sich zur „Design- und Möbelmeile“ entwickelt, und auch in den Seitengassen Richtung Museumsquartier finden sich interessante Designläden, avantgardistische Mode, kreative Labels bis hin zur kultigen Apotheke. Eine sehr lebendige Beisl-Szene, die Mariahilfer Straße und Gumpendorfer Straße als Geschäftszonen, der Naschmarkt mit Flohmarkt sowie den wunderschönen Jugendstilhäusern an der Linken Wienzeile, Außenstandorte der TU Wien sowie Kultureinrichtungen wie Raimundtheater, Theater an der Wien, TAG, Theaterbrett, Andino, Kinos und mehr machen Mariahilf zu einem betriebsamen, vielfältigen und pulsierenden Stadtteil.

Zur Geschichte im Detail:
Am 6. März 1850 wurden die ehemaligen Vorstädte Mariahilf, Gumpendorf, Laimgrube, Magdalenengrund und Windmühle zum damals 5. Wiener Gemeindebezirk "Mariahilf" zusammengeschlossen. Im Jahr 1861 nach der Eingemeindung von Margareten wurde Mariahilf in den 6. Bezirk umnummeriert, 1862 wurden die nördlich der Mariahilfer Straße gelegenen Teile der Gebiete Laimgrube und Mariahilf an den 7. Bezirk abgetreten.

Mariahilf
Der Name Mariahilf ist angelehnt an ein Marienbild, das in der Kapelle des Friedhofs der Barnabiten aufgestellt wurde. An der Stelle der Kapelle wurde später die Mariahilfer Kirche erbaut, um die sich die Vorstadt Mariahilf entfaltete. Ende des 17. Jahrhunderts entwickelte sich die Siedlung an der Mariahilfer Straße zu einem Standort von Handwerkern und Gewerbetreibenden. Als nach 1848 das Handwerk von der Industrie immer weiter zurückgedrängt wurde, entwickelte sich die Mariahilfer Straße bald zur führenden Geschäftsstraße von Wien. Die große Anzahl von Fabriken und Gewerbetreibenden im Bezirk stand in maßgeblichem Zusammenhang mit den politischen Ereignissen um die Mitte des 19. Jahrhunderts, als die Wiener Arbeiter begannen, um ihre Rechte zu kämpfen. 1848 kam es in der Mariahilfer Straße zu folgenschweren Zusammenstößen zwischen den Garden, Arbeitern und Studenten auf der einen und den kaiserlichen Truppen auf der anderen Seite.
Gumpendorf
Die Gumpendorfer Straße, weitere wichtige Bezirksachse und heute Design- und Möbelmeile, folgt zum Teil einer alten Römerstraße, die beim römischen Wachtturm nahe der heutigen Nevillebrücke den Wienfluss querte. Die Ortsgründung geht etwa auf das 11. Jahrhundert zurück, damit zählt Gumpendorf zu den ältesten Dörfern. Der mittelalterliche Grundriss blieb im Wesentlichen erhalten und verleiht dem Platz an der Gumpendorfer Pfarrkirche in gewisser Weise auch heute noch eine ländliche Atmosphäre.
Miethäuser statt Windmühlen
Zwischen der Gumpendorfer Straße und der heutigen Windmühlgasse wurde der Grund 1562 von Kaiser Ferdinand I. an den Reichsherold Johann Francolin übergeben, unter der Auflage, hier Windmühlen zu errichten. Francolin ließ aber nur eine einzige Windmühle aufstellen (in der heutigen Capistrangasse), sonst errichtete er vorwiegend Miethäuser, aus denen sich die Vorstadt "Windmühle" entwickelte.

Magdalenengrund & Laimgrube
Der Magdalenengrund war eine der kleinsten Vorstädte Wiens und lag zwischen der heutigen Magdalenenstraße und der Linken Wienzeile. Ursprünglich hieß der Ort "Im Saugraben an der Wien auf der Gstättn" und bestand lediglich aus Weingärten. Grundherr war die Maria-Magdalena-Kirche neben der Stephanskirche, sie gab dem Grund den Namen.
Die Laimgrube wurde 1291 erstmals urkundlich erwähnt, bestand aber schon seit dem 11. Jahrhundert. Die "Obere Laimgrube" lag zwischen Gumpendorfer Straße und Mariahilfer Straße, der Abhang zur Wien wurde ursprünglich "Im Saugraben", "An der Wien" oder auch "Untere Laimgrube" genannt. Die Siedlung bezog ihren Namen von ihrem Lehmboden, der die Errichtung einer bereits 1370 bekannten Lehmgrube zur Ziegelgewinnung ermöglichte.
 

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Der Flakturm im Esterhazypark

Beton, mit Ozean gefüllt

Der Flakturm im Esterhazypark, Wien 6, ist mit Nachnutzungen gesegnet. Die bekanntesten sind das «Haus des Meeres» mit seinem Zoobetrieb, seinen Events, seiner neuen Panorama-Dachterrasse und seiner Meeresforschungstradition, und die Kletterwand des Alpenvereins. Es sind triviale Nachnutzungen ohne Bezug zur Geschichte der Wiener Flaktürme. Aber es sind Nachnutzungen, die populär sind, von Massen besucht werden und mit dem Bau, den sie füllen (im Fall der Aquarien-Etagen) oder dessen Außenfläche sie bespielen, derart identifiziert werden, dass dieser im Bewusstsein vieler Menschen merkwürdig geschichtslos bleibt. Als ob dieser monströse Turm nicht im Zusammenhang der bisher größten Kriegskatastrophe der Geschichte stünde, sondern extra zwecks Zurschaustellung exotischer Fische zum Gaudium einer meerfernen Stadtbevölkerung in etwas klotzig geratener Form hingestellt wurde. Dabei bin ich mir gar nicht sicher, ob diese Klotzigkeit, die im Fall der beiden Betonmonster im Augarten unübersehbar ist, im Esterhazypark überhaupt wahrgenommen wird; zumindest die Kletternden der fortgeschrittenen Stadien bedauern, dass die Senkrechte nicht noch höher ist. Im Vergleich zur Eiger-Nordwand hat sie Dimensionen eines Lego-Alpenmodells. Das «Haus des Meeres», wo nur eine Scheibe Glas die Menschen vor Giftschlangen, Haien, Krokodilen oder Piranhas rettet, in ein Haus der Erinnerung zu verwandeln, ist heute weder machbar noch sehr sinnvoll; es gibt ja noch fünf andere Kriegstürme der Nazis in Wien, die auf eine solche Funktionalisierung warten und die, weil sie alle dem Denkmalschutz unterliegen, sich zu erinnerungskulturellen Verwendungen geradezu aufdrängen.

Dass die Gesellschaft das Angebot nicht annimmt, sagt einiges über sie aus. Immerhin hat die Betreibergesellschaft des ozeanischen Spektakels eine nicht in ihren Kompetenzbereich fallende Fleißaufgabe gelöst und unter der Devise «Erinnern im Innern» eine Ausstellung über die Entstehungs- und Funktionsgeschichte der Flaktürme gestalten lassen. Im Mini-Flakturmmuseum im 10. Stock stehen zweimal täglich historische Führungen am Programm. Zwei kritische Anmerkungen dazu: Die 20-minütige Führung kostet antivolksbildnerische 14,90 Euro pro Person, denn zugelassen wird man nur mit der Zoo-Eintrittskarte, auch wenn man nicht schon wieder unter die Fische will. Und die Wissensvermittlung in dieser Dachkammer des Krieges reicht nicht annähernd an das pädagogische Niveau des «Aqua Terra Zoos» mit seinen inzwischen 10.000 Tieren auf mehr als 4000 Quadratmetern Zoofläche heran. Man kann selbst von politisch interessierten OzeanologInnen im History-Guide-Status nicht erwarten, nebenbei kritische ZeitgeschichtlerInnen zu sein. BesucherInnen, deren Neugier sich genauso auf die Stellung der Organisation Todt im Nazisystem richtet wie auf das Rätsel, mit welchen Extremitäten eine bestimmte Krebsart in den Korallenriffen Schlagzeug spielt, sind wohl die wünschenswertesten; man sollte sie im Haus des Meerersatzes und der Endsiegpropaganda etwas mehr mit gesellschafts-, militär- und wirtschaftsgeschichtlichen Hintergründen verwöhnen, s´il vous plait. Es gibt eine Gemeinsamkeit zwischen den «sinnlosen Großprojekten» der Moderne – wie die milliardenverschlingenden Tunnelprojekte, viele Staudammprojekte, Flughafenprojekte, Superspitäler, gigantische Einkaufszentren oder die gegeneinander im stupiden Höhenwettbewerb stehenden Wolkenkratzer – und den sechs Wiener Flaktürmen, die ja ebenfalls Großprojekte waren, wenn auch ihre Bauzeit staunenswert kurz war, im Unterschied zu heutigen Gepflogenheiten (das Staunen vergeht bei genauerer Betrachtung: Für die Flaktürme konnte man beliebig viele Zwangsarbeiter zu Höchstleistungen verurteilen). Die Gemeinsamkeit besteht darin, dass die Vorteile, die ihre Errichtung für die Gesellschaft bringen soll, vorgegeben sind, um ihre Legitimierung gegenüber dieser Gesellschaft zu sichern.

Dass die Megatunnelprojekte der Bahn nicht den Mobilitätsinteressen der Bevölkerung, sondern den Verwertungsinteressen der Investoren dienen, ist das meistbeschriebene Phänomen in Bezug auf die Bewertung von aktuellen Großprojekten. Im Falle der drei Wiener Flakturmpaare (jedes Paar besteht aus einem Gefechts- und einem Leitturm; das Alter Ego des Turms im Esterhazypark befindet sich in der Stiftskaserne) hieß diese Legitimierungsidee selbstverständlich: Sicherheit der Bevölkerung. Sicher waren bloß die Einnahmen der mit der Nazipartei und der Rüstungsindustrie verbandelten Bauwirtschaft (in diesem Fall der «Organisation Todt», wie der mit dem Staat verflochtene bauwirtschaftliche Monopolkonzern hieß). Aus der Perspektive der Kriegsführung waren die Flaktürme sinnlos, wie man mittlerweile aus vielen Dokumenten weiß. Das Konzept der Flaktürme war bereits bei Ende ihrer Fertigstellung überholt, obwohl einem Laien die Idee damals plausibel vorkommen musste: Für Flugzeuge, die im Schwarm fliegen, ist die Parallelität des Kurses ein Muss; ein Bombenflugzeug hat also beim Zielanflug sein Ziel eine gewisse Zeit lang geradlinig anzusteuern, bis die Bomben ausgeklinkt werden können. Innerhalb dieser Strecke ist sein Ort zu jedem Zeitpunkt relativ genau vorherzubestimmen, sodass theoretisch ein Volltreffer nach dem anderen von den Flaktürmen aus gelandet werden konnte. Tatsächlich konnte die 24. Deutsche Flakdivision, zu ihr gehörten auch die drei Wiener Turmpaare, im Einsatzzeitraum von August 1943 bis März 1945 etwa135 Flugzeuge der Alliierten abschießen – was einem zu vernachlässigenden Anteil der tatsächlich geflogenen Einsätze entsprach. Von 1.000 Flugzeugen trafen die Flaks in Wien bei Tag 80, in der Nacht 65. Für die Maschinen der US-Luftstreitkräfte, besonders beschussfest und in einer Höhe von 8.000 Meter angreifend, ging von den Wiener Flaktürmen keine besondere Gefahr aus. Das Bild der Flaktürme als «Stadtmauer des 20. Jahrhunderts» entspricht einem der bekanntesten Mythen des «Sechserpakets». Das angeblich durch die Türme gebildete städtebauliche Dreieck mit dem Stephansdom als Mittelpunkt ist eine Imagination. Die Erbauungsumstände waren von alltäglicherer Natur. Für die Standortwahl waren profane Überlegungen ausschlaggebend: Man brauchte ausreichend große Bauplätze im dicht verbauten Stadtgebiet – da kommen also nur die Parks in Frage. Und in der Nähe des Bauplatzes musste ein Bahnhof sein, um die Zulieferung des Baumaterials zu gewährleisten. Im Falle des Esterhazypark-Bunkers erfolgte die Zulieferung über den Westbahnhof und über Straßenbahnschienen.

Ein weiterer Mythos sieht in den Flaktürmen einen Hinweis auf die Sorge um die Zivilbevölkerung. Ute Bauer, eine Architekturhistorikerin, die sich um sichtbare Kommentierung der Türme hinsichtlich ihrer Entstehungsgeschichte bemüht und im speziellen die Ausbeutung der Zwangsarbeiter zu einem Gegenstand der Erinnerungspolitik machen will, stellt klar: «Der Gefechtsturm im Augarten wurde erst im Jänner 1945 fertig gestellt. Dass man diesen aufwändigen Bautypus entwickelt und – trotz der Baustoffknappheit und der militärischen Lage gegen Kriegsende – umgesetzt hat, ist Zeugnis dafür, dass die Flaktürme gezielt propagandistische Funktionen erfüllen sollten. Die Bevölkerung sollte glauben, dass das NS-Regime sich um die Zivilbevölkerung kümmert, ihr Luftschutzbunker zur Verfügung stellt. Es sollte die Wehrhaftigkeit ausgedrückt werden und die Opferbereitschaft in der Bevölkerung gesteigert werden. Das heißt, es handelt sich um eine bewusste propagandistische Inszenierung der Flaktürme. In den Bauwerken heute nur die beiden Funktionen Luftabwehr und Schutzbunker zu sehen, bedeutet eine unbeabsichtigte, positive Besetzung.» Und noch ein Mythos: Die Flaktürme in Wien seien unzerstörbar. Wie erklärt man dann, dass die Hamburger und Berliner Pendants der «ostmärkischen» Flaktürme von den Alliierten abgetragen wurden? Die üppige Nachnutzung des Flakturms im 6. Wiener Gemeindebezirk, die das Innere wie das Äußere des Bauwerks modifiziert hat, lässt den «Rohbaucharakter» verloren gehen, der bei den anderen nackten Betontürmen so gewollt erscheint. Weil der Flaneur, die Flaneurin beim Flanieren nichts mehr liebt als die Begegnung mit Rätselhaftem, sei zum Schluss auf das Rätsel des Wiener Flakturmensembles als «baukunstfreie», «architekturferne» Zone verwiesen.

Die NS-Architektur hat bei repräsentativen Staatsbauten ja stets auf neoklassizistische Fassadenelemente zurückgegriffen und sie ins Monumentale gesteigert. Warum verzichtete sie bei den Flaktürmen auf jede architektonische Gestaltung? Fragwürdige Aussagen des deutschen Architekten Friedrich Tamms, der auch für die Wiener Flaktürme verantwortlich zeichnete, steigern das Rätsel. 1965 behauptete Tamms, er habe die Sichtbetonarchitektur der Flaktürme damals als endgültig angesehen. Von Tamms in der NS-Zeit verfasste Schriften wie etwa «Das Große in der Baukunst» von 1942 sprechen freilich eine andere Sprache. Eine baukünstlerische Ästhetisierung der Hochbunker und ihre Einbindung in das historische Stadtbild war eindeutig das Ziel. In einem Artikel vom Dezember 1940 wird ein oberirdischer Luftschutzbunker aus Stahlbeton explizit als «Rohbau» bezeichnet; eine Fassade nach Vorbild eines mittelalterlichen Wehrturms wurde vorgeschlagen. Was die Berliner und Hamburger Flaktürme betrifft, Tamms nannte sie «Schießdome», sind Skizzen und Pläne zur nachträglichen Umgestaltung bekannt. Eine rustikale Verkleidung der Stahlbetontürme mit Natursteinen und die Einbindung von Gefechts- und Leitturm in einen «Aufmarschplatz» war projektiert. Wie hätte Tamms Wien beglückt, hätte Seinesgleichen den Weltkrieg gewonnen! Sechs in der Sonne leuchtende Marmortürme, das war der Wiener Plan für die nächsten tausend Jahre. Tamms verkörpert die wunderbare «Metamorphose» von NS-Karrieristen in wertvolle Mitglieder der demokratischen Nachkriegsgesellschaft. 1934 war er Mitarbeiter Albert Speers bei dessen ersten großen Auftrag, dem Bau der Reichskanzlei. 1935 wurde er zum Fachberater für Angelegenheiten des Autobahnbaus ernannt. Während des zweiten Weltkrieges baute er Flaktürme und war gleichzeitig dafür zuständig, zerbombte Städte wiederaufzubauen, was ja nicht nötig geworden wäre, wenn die Flaktürme jene defensive Wirkung erzielt hätten, die Tamms suggerierte. Im April 1948 übernahm der Nazi-Architekt das Amt des Leiters für den Wiederaufbau in der Gemeinde Düsseldorf. Tamms war bis 1969 der oberste Düsseldorfer Stadtplaner. Er brachte seine gesamte Architektenseilschaft, die Clique rund um Speer, im Magistrat von Düsseldorf unter. Auf ausdrückliche Empfehlung von Speer waren diese Berufskollegen nicht der NSDAP beigetreten und hatten daher, wie Tamms selbst, problemlos die alliierte Entnazifizierungsphase passiert. Tamms starb 1980 und muss noch mitgekriegt haben, dass einer seiner Wiener Türme sich mit Wasser füllte und dass die BesucherInnen seines Turmes mehr an den wachsenden, sich natürlich und durch Zulieferung vermehrenden Bevölkerungen dieses vivarischen Gewässers, an Hammerhaien, nordatlantischen Kuhnasenrochen und atlantischen Suppenschildkröten interessiert sind als an seinem scheinbar irreversiblen und unsterblichen Beitrag zur Silhouette der Hauptstadt Österreichs. Sollte ihn dieses Prioritätengefälle betrübt gemacht haben, teile ich das Betrübnis. Wenn auch aus einem ganz anderen Grunde. Es darf nicht in Vergessenheit geraten, dass vor 70 Jahren Sklaven sterben mussten und die zum Teil schönsten städtischen Parkanlagen geschändet wurden für das Unternehmen, unter dem Vorwand des Schutzes der Bevölkerung ein Baumonopol zu finanzieren, das den Segen Hitlers hatte.

Robert Sommer


INFO-BOX

Haus des Meeres
1060 Wien, Fritz Grünbaum-Platz 1;
http://www.haus-des-meeres.at/

Interdisziplinäres Forschungszentrum
Architektur und Geschichte – iFAG;
http://www.if-ag.org/

(mit Publikationshinweisen zu Ute Bauers Arbeiten zu den Flaktürmen)

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FlanerieTipps

Haydnhaus

Joseph Haydn (1732-1809) bezog im Jahr 1797 im Alter von 65 Jahren das Haus Haydngasse 19 im 6. Bezirk. Er verbrachte seine letzten zwölf Jahre in Gumpendorf, damals noch äußerste Vorstadt von Wien, und starb hier am 31. Mai 1809. Das Wien Museum hat in dieser Wohnung eine Dauerausstellung gestaltet, gewidmet den letzten Lebensjahren des Komponisten sowie dem sozialen und politischen Umfeld seiner Zeit. Auch der Garten des Hauses wurde nach historischen Vorbildern, in Annäherung an den bürgerlichen Garten um 1800 rekonstruiert und ist nun für BesucherInnen zugänglich. Hier in der Haydngasse 6 entstanden wichtige Alterswerke Josef Haydns, z.B. die Oratorien "Die Schöpfung" (1796–1798) sowie "Die Jahreszeiten" (1799–1801). www.wienmuseum.at  

 
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Der Naschmarkt, direkt am Wiental gelegen, war schon immer der größte Obst- und Gemüsemarkt Wiens. Trotz seiner Einzigartigkeit gab es in den 1960er Jahren Überlegungen, den Naschmarkt zugunsten einer Stadtautobahn abzureissen. Diese Pläne wurden Gott sei Dank nie realisiert! Seit 1977 ist der Naschmarkt auch untrennbar mit dem Flohmarkt verbunden, der ganzjährig jeden Samstag im Bereich ab der Kettenbrücke stattfindet. Über 400 Flohmarktstände – Händler und Privatpersonen – bieten hier eine bunte Mischung aus Alt- und Gebrauchtwaren, Sammlerstücke, Raritäten, Antiqitäten, Kunst, Münzen, Bücher etc. an und locken so jede Woche Tausende BesucherInnen auf den Naschmarkt, WienerInnen genauso als Wien-BesucherInnen. Um schöne Dinge zu erstehen, empfiehlt sich ein Besuch frühmorgens! Ab der Jahrtausendwende hat sich der Naschmarkt – von der Innenstadt ausgehend – immer mehr zur Lokal- und Beislszene entwickelt.
http://www.wienernaschmarkt.eu/flohmarkt.html

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Otto Wagner, der Wiener Jugendstil-Architekt, hat das Wiener Stadtbild um 1900 stark geprägt. Neben Postsparkasse, Kirche am Steinhof, Stadtbahnstationen u.a. hat Otto Wagner 1898/99 auch drei wunderbare Jugendstilhäuser an der Linken Wienzeile hinterlassen. Die Wienzeile wurde Zuge der Regulierung des Wienflusses zwischen 1899 und 1905 angelegt, und Otto Wagner hatte die Vision, den Bereich zwischen Karlsplatz und Schönbrunn als Prachtboulevard zu gestalten. Für die drei Wienzeilenhäuser trat er selbst als Bauherr auf und hatte daher auch volle künstlerische Freiheit. Das „Majolikahaus“ in der Linken Wienzeile 40, 1898 errichtet, ist mit charakteristischen Blumenornamenten ausgestattet und ist benannt nach diesen farbigen Keramikfliesen aus Majolika, mit denen die Fassade vertäfelt ist. Das Gebäude Linke Wienzeile 38 ist bekannt für seine außergewöhnliche Ecklösung sowie die goldenen Ornamente von Koloman Moser. Das Haus Köstlergasse 3 ist das schlichteste dieses Häuserensembles und wurde von Wagner zeitweise selbst bewohnt.

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Das ehemalige Semper-Depot in der Lehárgasse 6-8 wird heute als Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste Wien genutzt, und kann für Veranstaltungen auch gemietet werden. Das Gebäude stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde 1874-77 von Gottfried Semper und Karl Hasenauer erbaut. Lange Zeit diente es als Produktionsort für Theaterdekorationen und –kulissen („Decorations-Depot für die k.k. Hoftheater“), insbesondere für die Oper und das Burgtheater, das ebenfalls vom Duo Semper-Hasenauer gebaut wurde.
https://www.akbild.ac.at/Portal/akademie/services/vermietungen

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Im Café Sperl in der Gumpendorfer Straße 16 kann man Billard spielen, Tarock lernen, Zeitung lesen oder einfach nur die köstliche Sperltorte, Kaffee und Muße genießen! Ein Besuch im Sperl ist jedenfalls wie ein Eintauchen in die Geschichte Wiens. Das Café Sperl wurde 1880 nach Entwürfen der Ringstraßenarchitekten Gross und Jelinek für Jakob Ronacher erbaut, und war seit jeher Stammcafé vieler Künstler. Die Schauspieler der benachbarten Theater (Raimundtheater, Theater an der Wien) gingen hier genauso ein und aus als der berühmte „Siebener Club“ – eine Künstlervereinigung für die Schaffung der Secession, mit Josef Hoffmann, Kollo Moser und anderen Mitgliedern. http://www.cafesperl.at/

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Die Rosa Lila Villa an der linken Wienzeile 102 ist aus dem Stadtbild nicht mehr wegzudenken. Anfang der 1980er Jahre aus der HausbesetzerInnenbewegung heraus entstanden, ist es heute ein österreichisches Lesben-, Schwulen- und Transgenderzentrum und vereint ein Beratungs- und Informationszentrum, ein Projekt für kollektives Wohnen sowie und ein Café-Restaurant unter einem Dach. www.villa.at

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Geschichtliches & Kurioses zur Verhütung

Ingrid Mack hat im 6. Bezirk ihre Spuren hinterlassen. Den mutigen Beginn machte sie 1994 mit der Eröffnung des Fachgeschäfts „Condomi“, als Reaktion auf erste Aids-Erkrankungen im Bekanntenkreis. 2008 folgte „Liebenswert - feminine Lebensart“ und 2009 das erste Wiener Condomi-Museum. Das Museum in der Esterhazygasse 26 dokumentiert die Geschichte des Kondoms und widmet sich kuriosen Erfindungen und verrückten Ideen rund um das Thema Condom und Verhütung sowie sexueller Aufklärung. Die Ausstellung ist zu Geschäftszeiten geöffnet und auch für Schulen werden Führungen angeboten. www.liebens-wert.at

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Hörbuch

Flanerien konkret

Derzeit gibt es keine aktuellen Termine für Stadtführungen im 6. Bezirk. Infos zu aktuellen StadFLANERIEN des Aktionsradius Wien unter office@aktionsradius.at.