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12. Bezirk, Meidling

Der 12. Bezirk, Meidling, liegt am Wienfluss und schließt mit den dicht verbauten Arbeitervierteln in Ober- und Untermeidling an den Gürtel an. Die Bezirksteile Hetzendorf und Altmannsdorf sind weniger dicht verbaute ehemalige Dörfer mit herrschaftlichem Schloss. Bekannt ist Meidling für sein „Meidlinger L“ oder für das U4, Wiens legendäre Diskothek. Man kennt aber auch den Grünen Berg, den Meidlinger Mark, eine Reihe denkmalgeschützter Gemeindebauten aus der Zwischenkriegszeit oder das Palais Kabelwerk, Kulturzentrum im neuen Stadtteil am Areal der ehemaligen Kabel- und Drahtwerke AG, die 100 Jahre lang einer der bedeutendsten Betriebe Meidlings und der wichtigste Arbeitgeber des Bezirkes waren.

Zur Geschichte im Detail:

Aus den ehemaligen Vorortgemeinden Gaudenzdorf, Hetzendorf, Ober-und Untermeidling, Wilhelmsdorf und Teilen von Altmannsdorf wurde 1892 der 12. Wiener Gemeindebezirk Meidling gebildet.

Meidling, das Kurbad der Wiener Gesellschaft

Meidling (als "Murlingen" seit 1104 nachgewiesen) war größtenteils im Besitz des Stiftes Klosterneuburg, ab dem 14. Jahrhundert waren die meisten Einwohner im Weinbau tätig. Die beiden Türkenbelagerungen forderten viele Opfer unter der Bevölkerung und das Siedlungsgebiet wurde beide Male zerstört. Weiters litt der Ort unter den wiederholten Überschwemmungen durch den Wienfluss. Schon die Römer nutzten die Vorzüge der schwefelhaltige Quelle des Theresienbades, 1755 wurde diese wieder entdeckt und Meidling so zur beliebten Sommerfrische für wohlhabende Wiener. Ende des 18. Jahrhunderts wurde Meidling vom Bauerndorf zu einem Zentrum der Textil- und Ziegelindustrie, der folgende Zuzug und die Bebauung machten 1806 eine Teilung des Ortes notwendig, die Ortsbezeichnungen "Ober-" bzw. "Unter-" Meidling bezogen sich auf die jeweilige Lage am Wienfluss. Im nunmehrigen Ober-Meidling wurde 1859 der Dreherpark eröffnet, eines der beliebtesten Vergnügungslokale im alten Wien.

Auf dem Grünen Berg lag das Tivoli, ein elegant ausgestattetes Vergnügungslokal des Vormärz, von dessen Terrasse aus man einen prachtvollen Blick über Wien genoss. Beim Gatterhölzl, einem kleinen Wäldchen, aus dem sich die Türken 1683 mit Holz für den Bau ihrer Minen versorgten, erinnert die „Moldauer Kapelle“, in der das heute verschollene „Moldauer Kreuz“ aufbewahrt worden war, an den einzigen christlichen Führer in der türkischen Gefolgschaft Kara Mustaphas, den walachischen Fürsten Servan Cantacuzeno. Eine großstädtische Verbauung setzte in Unter-Meidling erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein, als die Schönbrunner Straße entlang des Wienflusses angelegt wurde. Das Pfann´sche Bad an der Niederhofstraße, 1820 für Trink- und Badekuren eröffnet, war im Vormärz so beliebt, dass stündlich ein „Gesellschaftswagen“ die Verbindung zur Stadt sichern musste. An der Niederhofstraße lag auch das kleine Jagdschloss Kaiser Josephs I. (1705), in dem später die k. k. Wollzeugfabrik untergebracht wurde. In seinem Park wurde zur Zeit Maria Theresias das Theresienbad (Schwefelquelle) als ältestes Wiener Bad eingerichtet. Im Süden von Unter-Meidling entwickelte sich im Bereich alter Ziegeleien eine Ansiedlung von Ziegelarbeitern, die 1846 von der Grundherrschaft, dem Stift Klosterneuburg, die Erlaubnis erhielt, eine eigene Gemeinde zu bilden. Diese wurde zu Ehren des Klosterneuburger Propstes Wilhelm Sedlaczek Wilhelmsdorf benannt. Da sich die kleine Gemeinde als nicht lebensfähig erwies, wurde sie 1850 mit Unter-Meidling vereinigt.

Wasser zieht Gewerbe an
Der Meidling am nächsten liegende Teil des Linienwalls wurde nach dem auf dem Gebiet des heutigen 5. Bezirks liegenden Ort Hundsturm "Hundsturmer Linie" genannt. 1819 wurde vor der Hundsturmer Linie die Gemeinde Gaudenzdorf konstituiert. Die vor 1819 „Neu-Meidling“ genannte Siedlung wurde vor allem von Färbern, Gerbern und Wäschern bewohnt, denen der Wienfluss günstige Voraussetzungen bot. Der Ort erhielt seinen Namen nach Propst Gaudenz Andreas Dunkler, welcher die neue Gemeinde am 24. Jänner 1819 geweiht hatte. Gaudenzdorf war ursprünglich eine bürgerlich-gewerbliche Siedlung, das Gaudenzdorfer Brauhaus gehörte in den Jahren 1845 bis 1866 zu den größten unter den zahlreichen Wiener Brauereien. Die Ortsgrenzen von Gaudenzdorf verliefen entlang dem Linienwall und dem Wienfluss sowie der Längenfeldgasse; es war bis weit ins 19. Jahrhundert hinein nur entlang eines schmalen Streifens an der Wien verbaut.

Die ersten Gemeindebauten Wiens entstehen
Meidling wurde in der Folge zu einem typischen „Arbeiterbezirk“, in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden hier zahlreiche Wohnhausbauten der Gemeinde Wien. Der Fuchsenfeldhof (das Fuchsenfeld waren Äcker zwischen den heutigen Straßenzügen Eichenstraße, Aßmayergasse, Malfattigasse und Steinbauergasse) war einer der ersten Gemeindebauten der Stadt Wien. Er wurde 1922-1924 errichtet und weist rund 1.000 Wohnungen auf. Jenseits der Anlagen des Meidlinger Bahnhofs und des Meidlinger Friedhofs liegt der gewaltige Komplex des George-Washington-Hofs, eine Wohnhausanlage mit 1084 Wohnungen, 1927-1930 von Karl Krist und Robert Oerley erbaut. Der Bau mit fünf Gartenhöfen, deren Namen schon an Licht, Luft und Sonne erinnern sollten – Ahorn-, Akazien-, Birken-, Flieder- und Ulmenhof – war nicht nur gesellschaftspolitisch, sondern auch architektonisch überaus beispielgebend. Ahorn-, Birken- und Fliederhof befinden sich bereits auf dem Boden des 10. Bezirks.

Gemeindebau und Villenviertel
Stadtauswärts liegen die beiden Liesingtal-Gemeinden Altmannsdorf und Hetzendorf. Altmannsdorf wurde erstmals 1314 urkundlich genannt. Der Ort hatte lange Zeit ländlichen Charakter, erst nach der Eingemeindung nach Wien im Jahre 1892 nahm es eine industrielle Entwicklung. Das Ortszentrum liegt um den Khlesl-Platz mit dem Karl-Renner-Institut und dem ehemaligen Tierschutzhaus. In dem Ortsteil „Am Schöpfwerk“, der seinen Namen von dem 1870-1873 hier errichteten Schöpfwerk der Ersten Hochquellenwasserleitung hat, stehen große Wohnhausanlagen der Gemeinde Wien, aus der Zwischenkriegszeit wie aus jüngster Zeit.
Der Name Hetzendorf tritt uns erstmals 1190 entgegen. Henricus von Hetzendorf erhielt damals das Gut als landesfürstliches Lehen. Später wurde der Ort dem Stift Klosterneuburg geschenkt, 1456 kam er an den Deutschen Ritterorden, in dessen Besitz er bis 1744 blieb. 1529 und 1683 wurde der Ort von den Türken verwüstet. Um 1694 ließ Sigismund Graf von Thun in Hetzendorf ein Jagdschlösschen erbauen, welches Johann Lukas von Hildebrandt für Anton Florian Fürst Liechtenstein 1712 umgestaltete. Der so genannte „Thunhof“ wurde dann 1742 an die Hofkammer verkauft. 1743 ließ ihn Maria Theresia durch Nikolaus Pacassi erweitern und zum Schloss Hetzendorf umbauen. Heute beherbergt das Schloss die Modeschule der Stadt Wien. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts nahm Hetzendorf den Charakter einer Villensiedlung an.
 

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Essay

Am Schöpfwerk

Aus dem Tratsch wird Widerstand

Dass Roland Düringer nicht weniger als acht Rollen spielt – nämlich Opa Neugebauer, einen Drogeriemarktkunden, einen Briefträger, einen Nachbarburschen, einen Pfarrer, einen Nachbarn mittleren Alters, eine ältere Nachbarsfrau und einen Radfahrer – ist die genialste Personal-Idee im Harald Sicheritz-Film «Muttertag». Das finden auch die Bewohner der Wiener städtischen Wohnhausanlage, in die Sicheritz seine Erzählung gesetzt hat. Die schlechteste Idee aber sei, dass der Film in ihrer Siedlung spiele. Das verstärke die bestehenden Ressentiments gegenüber der städtischen Wohnanlage «Am Schöpfwerk» im 12. Bezirk.

Ressentiments und schablonenhafte Schnellurteile über die 1980 fertig gestellte neue Wohnanlage, in der heute mehr als 5000 Menschen leben, gibt es tatsächlich. Das festzustellen, läuft auf eine Gleichgültigkeit gegenüber der Entwicklungsrichtung hinaus. Nicht, dass es viele Anzeigen wegen «Vandalismus» gibt, ist eine relevante qualitative Aussage, sondern dass es heute innerhalb der Meidlinger Wohnanlage «Am Schöpfwerk» bedeutend weniger Anzeigen gibt als vor 20 Jahren. «Das erklärt auch, warum wir von Polizisten unter vorgehaltener Hand erfahren, dass das  Schöpfwerk als sehr angenehmes Einsatz-Revier gilt», sagt Wolfgang Starzinger, einer der fünf SozialarbeiterInnen der «bassena», dem abgerundeten und in Wien in seiner BürgerInnen-Vernetzungskompetenz unübertroffenen Stadtteilzentrum.

An dieser Stelle ein kleiner Exkurs über die Wissensmaschine und das Maß an Vertrauen, das sie verdient. Wikipedia informiert wie folgt über die Wohnanlage «Am Schöpfwerk»: Sie gelte heute «im Gegensatz zur nahe gelegenen und 5 Jahre später vollendeten Anlage Wohnpark Alt-Erlaa als Negativbeispiel für die Wiener Stadtentwicklung der 70er und 80er Jahre. Einige Aufsehen erregende Verbrechen brachten der Siedlung negative Schlagzeilen ein. Das durch einige Medien transportierte Bild eines Ghettos mit erhöhter Kriminalitätsrate und in Wien kaum vorhandenem Bandenunwesen lässt sich durch Kriminalstatistiken nicht belegen. Vandalismus, Generationenkonflikte, Spannungen zwischen Zuwanderern und Einheimischen, eine erhöhte Arbeitslosenrate sowie Abhängigkeit vieler Bewohner von staatlicher Unterstützung komplettieren das negative Image der Siedlung. Der Film ‚Muttertag’ von Harald Sicheritz aus dem Jahr 1992, der in der Wohnsiedlung spielt, transportierte gleichfalls den schlechten Ruf der Anlage.»

Nicht, dass es Konflikte gibt, ist hier falsch. Dass die «Stadt in der Stadt» auch heute noch als «Negativbeispiel für die Stadtentwicklung» gilt, ist falsch. Sehr falsch sogar, denn die Intensität, in der hier – von der «bassena» ausgehend – BewohnerInnen begonnen haben, ihre eigenen Angelegenheiten nicht den bürokratischen Strukturen von  «Wiener Wohnen» zu überlassen, sondern sich in den verschiedensten Arbeitsgruppen selbst zu organisieren, hat das Klima in der Siedlung spürbar verbessert. Wenn es nicht so wäre, müsste der Ansturm von Gemeinwesenarbeitenden aus dem In- und Ausland, die sich hier Ezzes holen, oder die Inflation von  studentischen Arbeiten über das Partizipationsmodell Schöpfwerk etwas seltsam erscheinen.

Eine der spannendsten Zusammenschlüsse der jüngsten Zeit ist die «Dorfplatzgruppe», erzählt mir Tamara Strobl, die als Trafikantin vom Schöpfwerk eine Art Reservoir des gesammelten Tratsches ist und die die Lust bewahrt hat, jene Informationen herauszufiltern, die sich als Ansatzpunkte für BürgerInnenwiderstand eignen. Mit dieser Rolle sei sie zu einer Art  Außenstelle der «bassena» geworden, schmunzelt sie. Dass die Schule, die am zentralen Platz der Siedlung liegt (von den BewohnerInnen «Dorfplatz» genannt), einen «Sicherheitszaun» errichtete, durch den der Bewohnerschaft ein Teil des öffentlichen Raums überfallsartig gestohlen wurde, war der Anlass zur Gründung der Arbeitsgruppe. Mit der angeblich fehlenden Sicherheit für die SchülerInnen hatte die Schuldirektorin diesen Zaun legitimiert. «Es gibt Brandanschläge, Scherben, Spritzen, Kampfhunde», befriedigte die Direktorin die Sensationslust der Boulevardmedien. «Die Schulwände sind als Pissoir verwendet worden.» Der Zaun solle endlich Abhilfe schaffen.

«Wir haben noch nie Kampfhunde gesehen, und ich habe noch nie Angst gehabt, wenn ich um zwei Uhr früh durchs Schöpfwerk gehe», konterte eine Lehrerin, die in der «Dorfplatzgruppe» aktiv wurde. Ein Brief an den Bürgermeister war die erste Reaktion. Der Zaun steht heute noch und trennt den «Dorfplatz» in zwei Teile. Wenn das Netzwerk rund um die «bassena» aber das Schöpfwerkfest feiert – es findet  in der Regel im Juni statt und füllt die Wohnanlage antizipatorisch mit Leben, wie es sich die AktivistInnen als Alltagszustand wünschen –, ist die Schuldirektion bereit, den Zaun am «Dorfplatz» temporär zu öffnen. Tamara Strobl schließt daraus: Selbst wenn die Engagierten rund um die «bassena» scheitern, scheitern sie nicht hundertprozentig...

In anderen Angelegenheiten erwies sich der BewohnerInnenwiderstand als erfolgreicher. Als «Wiener Wohnen» der grassierenden Unsicherheitsphobie mit einem System der Videoüberwachung des Schöpfwerkes begegnen wollte, wurden die Siedlungsverwalter von einer Kritik von unten überrascht: Videoüberwachung sei teuer und uneffektiv. Die Bürokratie nahm den Widerstand wahr und blies das Kontrollvorhaben hab. Und als die Schöpfwerker vernahmen, dass die Post geschlossen werden soll, zitierten sie Manager dieser Institution und PolitikerInnen in ihre Siedlung. Teilerfolg: Die Post erklärte sich bereit, mit einem Privatunternehmer zu kooperieren, der die Postdienste weiterhin anbietet.

Ganz oben in der Forderungsliste der aktiven SchöpfwerkerInnen steht derzeit die Belebung der Einkaufszeile. Mittlerweile stehen fünf Lokale leer, eine unerquickliche Situation, die eine eigene negative Dynamik auslösen kann: Die Zeile ist so unattraktiv, dass auch die bestehenden Nutzungen gefährdet sind. Die Trafikantin Tamara Strobl hat, gemeinsam mit anderen Engagierten, den Kampf um das Mitspracherecht der BewohnerInnen in Sachen Zwischennutzung aufgenommen. «Es gibt Leute, die eine gemeinsame Reparaturwerkstätte einrichten wollen. Theaterensembles suchen Proberäume, FotografInnen und MalerInnen brauchen Ateliers. Ist es nicht die Aufgabe von ’Wiener Wohnen’, für optimale Lebensqualität in ihren Siedlungen zu sorgen? Aber das städtische Wohnhäusermanagement reagiert mit Abwehrreflexen, wie man sie von einer x-beliebigen Bürokratie gewohnt ist, die Demokratie als Störung empfindet. Die beiden Reflexe heißen: Wie bringt man die Zwischennutzer wieder los? Und: da könnte ja jeder kommen!», ärgert sich die Trafikantin. Ein weiteres Anliegen der Bevölkerung: die Rasenflächen in den Höfen sollen für Gemeinschaftsgarten-Experimente freigegeben werden. Die Gardening-Lobby unter den SchöpfwerkerInnen sieht auch  nicht ein, warum alle möglichen Arten von Bäumen gepflanzt worden sind, bloß keine Obstbäume. Die Erklärung von «Wiener Wohnen»: Obstbäume ziehen Bienen an. Und Bienen sind eine Gefahr für Kinder. «Man glaubt es kaum», kommentiert «bassena»-Sozialarbeiter Starzinger. Fast rührend, wie sich die Bürokratie – Bienensterben hin, Altobstsortenschwund her – um die Sicherheit der  Kinder bemüht.

Dass in der Wohnanlage zum Unterschied von Stadtrandsiedlungen wie Rennbahnweg eine zivile Gesellschaft erwacht ist, die diesen Namen verdient, erkennen aufmerksame BeobachterInnen schon in der U6-Station «Am Schöpfwek». Eine der Gewista-Werbeplakatflächen ist hier nämlich von kommerzieller Bespielung befreit und dient als «Freianschlag», wie über der Werbefläche zu lesen ist. Mitteilungen des regionalen Tauchkreises KAESCH sind hier genauso zu finden wie die Sprachkurstermine der Initiative «Mama lernt Deutsch», die Termine des multikulturellen Vereins «Nachbarinnen», die in regelmäßigen «Bildungsfrühstücken» pädagogisches Wissen unter die Elternschaft des Schöpfwerks verstreut, oder die Infos der Mietervertretung. Die verzopften Verwaltungssprachschöpfer haben mit der Kreation «Freianschlag» – ungewollt – sprachlich ins Schwarze getroffen. Die Ankündigungsfläche, die den aktiven BewohnerInnengruppen gratis zur Verfügung steht, ist ein Freiheitssignal, und als solches ein Anschlag auf die Routine der Begünstigung kommerzieller vor gemeinschaftlichen Interessen.

Eines fehlt noch auf dem «Freianschlag». Die Ankündigung eines Vortrags über Bienensterben. Zielgruppe: MitarbeiterInnen von «Wiener Wohnen».

Robert Sommer


INFO-BOX

Stadtteilzentrum bassena:
http://www.bassena.at/site/home

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FlanerieTipps

Modesammlung Hetzendorf

Im Schloss Hetzendorf befindet sich neben der Modeschule Wien die – leider nicht öffentlich zugängliche – Modesammlung des Wien Museums. Die Sammlung zählt zu den umfangreichsten Kostümsammlungen Europas mit einem Bestand von über 20.000 Exponaten. Der Schwerpunkt der Sammlung liegt in der Damenbekleidung des 19. und 20. Jahrhunderts. Für Besucher offen steht hingegen die angeschlossene Bibliothek, die aus mehr als 12.000 Bänden und zahlreichen Journalen, Fotos und rund 3.000 Kupferstichen zum Thema Mode besteht.
https://www.wien.gv.at/advuew/internet/AdvPrSrv.asp?Layout=stelle&Type=K&stellecd=2006032114553529&STELLE=Y

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Purple Eat, der lila Marktstand am Meidlinger Markt, wurde im Februar 2014 gestartet, als Projekt des Vereins Purple Sheep, der in Wien Meidling ehrenamtlich das Freunde Schützen Haus betreibt. Hier kochen Menschen, die unverschuldet vor der Abschiebung stehen, und BesucherInnen können sich durch Spezialitäten aus aller Welt durchkosten. Alle Mitarbeiterinnen und Betriebe arbeiten ehrenamtlich und unentgeltlich für dieses Projekt, der gesamte Erlös kommt direkt den Betroffenen zugute! Genießen Sie das wunderbare Essen, und den herrlichen Gastgarten mitten am Meidlinger Markt!
http://www.purplesheep.at/index.php?i=D503Cgy7j4

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Der Meidlinger Markt, nahe U-Bahn-Station Niederhofstraße, ist ein Juwel unter den Wiener Märkten. Er verfügt über ein reiches Warenangebot, und die vielen Cafés und Imbiss-Lokale sind reger Treffpunkt für Menschen aus der Umgebung. Lokale wie Milchbart oder Purple Eat sind ideal, um gemeinsam zu sitzen, zu plaudern, zu essen und zu trinken - und locken Menschen aus der näheren und ferneren Nachbarschaft an.
http://www.einkaufsstrassen.at/einkaufsgebiete/12-meidling/meidlinger-markt/

 

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In der Oswaldgasse 35A, im neuen Stadtteil Kabelwerk am Areal der ehemaligen Kabel- und Drahtwerke AG, ist  aus einem kulturellen Experiment ein dauerhaftes Stadtlabor für innovative Kunst und Kultur geworden: das Palais Kabelwerk. In Fusion mit Garage X Theater Petersplatz wird es aktuell zu einem neuen Theater umgebaut – mit insgesamt 4 Etagen und zwei bespielbaren Sälen sowie integriertem Bürotrakt und Gastronomiebetrieb. In Kürze ist der Spielplan 2014/15 online:
www.palaiskabelwerk.at
 

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Hörbuch

StadtFlanerie Meidling

Der Autor Karl Weidinger schreibt zum Hörbuch Meidling:

Das Narrativ: My Meidling
Meidling als Arbeiterbezirk ist ein gängiges Narrativ [01, 02]. Jede sinngebende Erzählung vermittelt ein damit einhergehendes Gefühl. Das Narrativ kann eine urbane Legende sein. Ein soziologisches Phänomen, sobald sich besonders viele Personen hinter einer gemeinsamen Erzählung bzw. Sichtweise versammeln. Der Mythos vom Arbeiterbezirk entstand durch Wanderarbeiter, die sesshaft wurden und den Aufstieg zu Facharbeitern schafften. Diese Ankömmlinge brachten eine sprachliche Ausprägung mit – ebenfalls ein Mythos, den die Bevölkerung gerne teilt. Die Rede ist vom “Meidlinger L”. Ein charakteristisch ausgesprochener, lateraler apikal-dentaler Konsonant, der vor allem der Arbeiterschicht des zwölften Wiener Gemeindebezirks zugesprochen wird [04]. Diese regionale Eigenheit etablierte sich im 19. Jahrhundert durch die aus Böhmen und Mähren zugewanderten Dienstboten und Handwerker. Die “Ziagl-Behm” waren für die Ziegelproduktion an den Ausläufern des Wienerbergs im Süden Wiens unerlässlich.
Der zur Identität gehörende Dialekt wies dem vormals stolzen Proletariat seinen Platz in der Gesellschaft zu. Heute wird „Prolet” auch als Schimpfwort verwendet. Dass kleine Gaststätten, sogenannte „Tschocherl”, eine Therapie ersparen können, hält sich als Mythos [06]. Dass „urbanes Gärtnern" jede Region aufwertet, ist hingegen bewiesen – zum Vorteil aller [07]. Exil ist mehr als nur eine Erzählung. Es ist eine lebensverändernde Erfahrung [03, 05]. Wie auch sinnvolle Kooperation ein Überlebensmerkmal darstellt [09].
Meidling ist eine kleine Welt, in der die große ihre Probe hält – frei nach einem Spruch von Marie von Ebner-Eschenbach [10]. Ein urbaner Weltanknüpfungspunkt, nicht nur für Georg Danzer [08]. Das könnte die abschließende Erkenntnis dieser kleinen Stadtflanerie durch den Arbeiterbezirk –mitsamt einigen seiner Narrativen – sein. Aber hören Sie selbst!

Karl Weidinger

Interviewpartner:

Ali Abdullah, Arthur Fürnhammer, Beatrix Neundlinger, Christian Spiegelfeld, Christian Stelzer, Erika Mottl, Evelyn Steinthaler, Georg Danzer (+), Harald Posch, Heinz R. Unger, Jasminka Nikolić, Josef Schützenhöfer, Jutta Wörtl-Gössler, Klara Brandtner, Roman Zeisel


Tracklist

01  Kabelpalais wird Werk X
Ali Abdullah und Harald Posch verlassen die Innenstadt
02  Proletenpassion 1976, 2015ff.
Beatrix Neundlinger und Heinz R. Unger zur Arbeit einst & jetzt
03  Arbeitermaler vor Gericht
Josef Schützenhöfer am Bezirksgericht Meidling (Exil & Zurück I)
04  Häfenelegie & Meidlinger L
Erika Mottl-Seeböck zu Dialekt, Dudelsack & Gedenktafeln
05  Hermann Leopoldi
Evelyn Steinthaler zum Klavierhumoristen Hersch Kohn (Exil & Zurück II)
06  Therapieersatz Tschocherl
Lokale Größen: Arthur Fürnhammer und Jasminka Nikolić
07  Draußen vor der Tür
Garten Wolfganggasse: Jutta Wörtl-Gössler
08  Gaudendorfer Gürtel 47
Badner Bahn, Otto Glöckel und Georg Danzer im selben Haus
09  Vinzirast mit Viktoria
Kabinen im Winter für Obdachlose: Christian Spiegelfeld und Roman Zeisel
10  Mary's Meals
Fluchtursachen beseitigen, Hilfe vor Ort: Christian Stelzer und Klara Brandtner

Gesamtspielzeit: 77:06


Musikbeiträge von:

Gustav | Verlass die Stadt (T/M: Eva Jantschitsch) | Vom Album: Verlass Die Stadt (2008, Chicks On Speed Records)

Gegenstimmen | Die Arbeiter von Wien (T: Fritz Brügel, M: nach einem Marsch von Samuel Pokrass) | Aufgenommen bei F13-Aktion im April 2007

Gustav & Band | Wir Lernen Im Vorwärtsgehn (T: Heinz R. Unger, M : Georg Herrnstadt/Wili Resetarits, A: Eva Jantschitsch) | Vom Album: Lieder aus der Proletenpassion (2016, Neustart Records)

Hermann Leopoldi | Meidlinger Buam (Musik: Hermann Leopoldi, Text: Helly Möslein/Rudolf Skutajan (c) 1948 by Josef Weinberger Mvlg. Ges.mbH, Wien) | Aufnahme aus dem Archiv der österreichischen Mediathek

Hermann Leopoldi | Schön ist so ein Ringelspiel (Musik: Hermann Leopoldi, Text: Peter Herz (c) 1932 by Ludwig Doblinger (Bernhard Herzmansky) KG, Wien) | Aufnahme aus dem Archiv der österreichischen Mediathek

Boris Eder | Buchenwälder Marsch (Text: Fritz Löhner-Beda, Musik: Hermann Leopoldi) | Vom Album: Boris Eder singt Hermann Leopoldi. Klavier: Florian Schäfer (2001, Eigenverlag)
 
Georg Danzer |  Elfi, Gaudenzdorfer Gürtel 47, Gürtelpülcher (T/M: Georg Danzer) | Mit freundlicher Genehmigung von Ambra (Phoebus Music Group), verlegt bei Edition Giraffe

Mit freundlicher Genehmigung der KünstlerInnen und Labels, der Österreichischen Mediathek, der Verlage und der Leopoldi Nachlassverwaltung

 

Flanerien konkret

Derzeit gibt es keine aktuellen Termine für Stadtführungen im 12. Bezirk. Infos zu aktuellen StadFLANERIEN des Aktionsradius Wien unter office@aktionsradius.at.