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13. Bezirk, Hietzing

Die Dörfer, Hacking, Ober- und Unter-St. Veit, Hietzing, Schönbrunn, Lainz, Speising, die heute den Bezirk Hietzing bilden, sind schon im 12. und 13. Jh. erstmals urkundlich erwähnt. Über Jahrhunderte lebte dieses Gebiet von der Landwirtschaft, es gab Viehweiden, Äcker, Gemüseanbau und ausgedehnte Weingärten. In der Nähe des Küniglbergs und um das Gebiet des heutigen Hietzinger Friedhofs lagen ein Steinbruch sowie Sand- und Schottergruben. Hietzing ist heute der „grünste“ Bezirk Wiens.  Im Norden ist der Bezirk durch den Wienfluss begrenzt, im Osten liegt das Parkareal Schönbrunn (ursprünglich Katterburg), im Süden entstanden verschiedene Krankenhauseinrichtungen und im Westen liegt der Lainzer Tiergarten (Wienerwald). Durch den Bau des Schlosses Schönbrunn in seiner heutigen Form im 18. Jh. wurde das Gebiet zu einem Ausflugs- und Sommerfrischeort mit Gastwirtschaften, Weinhäusern,  Meiereien, Schwenders „Neue Welt“ und dem Vergnügungsetablissement Dommayer's Casino, das als Kaffeehaus bis heute überlebt hat. Vor 1820 fuhr der Stellwagen „aufs Land“, später die Pferdetramway und ab 1883 die Dampftramway. Im Wiental siedelten sich Handwerksbetriebe an. Im Bereich  der aufgelassenen Weinberge entwickelten sich die Villengegenden, es entstanden Arbeitersiedlungen (Lockerwiese, Hermeswiese, Friedensstadt, Kongressiedlung), kommunaler Wohnbau, Versorgungseinrichtungen, die Werkbundsiedlung und das Fernsehzentrum am Küniglberg. Fast alle bedeutenden Architekten Wiens haben in Hietzing gebaut und viele Persönlichkeiten aus Kunst, Kultur, Wissenschaft, Politik und Kirche hatten oder haben hier ihren Wohnsitz. Und so gilt auch der Hietzinger Friedhof seit jeher als Friedhof der Reichen und Berühmten. Zahlreiche Berühmtheiten fanden hier ihre letzte Ruhestätte: Franz Grillparzer, Otto Wagner, Gustav Klimt, Alban Berg, Katharina Schratt, Heinz Conrads, Bundeskanzler Engelbert Dollfuß oder die Familien Coudenhove-Kalergi, Dommayer, Mautner Markhof, Palmers oder Strauss.

Zur Geschichte im Detail:

Die Ortsgemeinde Hietzing wurde am 1. Jänner 1892 mit den Gemeinden Penzing, Lainz, Breitensee, Ober- und Unter St. Veit, Hacking, Baumgarten, den Katastralgemeinden Schönbrunn und Speising sowie Teilen von Mauer, Hütteldorf und Hadersdorf und dem Auhof zum 13. Bezirk „Hietzing“ zusammengeschlossen. 1938 wurde aus den am linken Wienufer gelegenen Bezirksteilen Hietzings der 14. Gemeindebezirk „Penzing“ geschaffen.

Die damalige Bezirksgrenzen
Hietzing erstreckte sich zwischen der heutigen Maxingstraße und der Gloriettegasse bis zur Lainzer Straße und beiderseits der Auhofstraße stadtauswärts bis etwa zur heutigen Steckhovengasse. Die Katastralgemeinde Schönbrunn umfasste hauptsächlich das Areal des Schönbrunner Schlosses. Lainz und Speising lagen westlich bzw. östlich von der Speisinger und Lainzer Straße. Unter St. Veit schloss wienaufwärts an Hietzing an und reichte bis zur Feldmühlgasse und Hietzinger Hauptstraße. Ober St. Veit erstreckte sich beiderseits der Hietzinger Hauptstraße entlang der Firmiangasse und Glasauergasse im Norden bis zur Schweizerthalgasse und Einsiedeleigasse im Süden. Hacking lag am Wienfluss um die heutige Schloßberggasse. Wienflussaufwärts, an der rechtsseitigen Tallehne, lag der Auhof, das Forsthaus des Forstmeisters des Lainzer Tiergartens.

Keine Industrie im vornehmen Hietzing...
Hietzing, wahrscheinlich eine Gründung des 9. oder gar 8. Jahrhunderts, leitet seinen Namen vermutlich von Hiezo oder Hezzo ab, beides Kurzformen des Namens Heinrich. Die erste Nennung erfolgte 1130. 1253 erwarb das Stift Klosterneuburg die dortigen Besitzungen des Deutschen Ritterordens. 1481 wurde der Ort durch die Ungarn zerstört. Um 1500 setzte ein Aufschwung ein, der durch den Türkensturm 1529 und neuerlich 1683 jählings unterbrochen wurde. Ein Großteil der Höfe wurde zerstört. Lange Zeit blieb der Ort ein ärmliches Ackerbauerndorf. Der eigentliche Aufschwung setzte erst ein, als Maria Theresia das Schloss Schönbrunn als Sommersitz ausgestalten ließ. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Hietzing zur beliebtesten Sommerfrische Wiens. Auf Grund seiner Nähe zum kaiserlichen Hof wurde es attraktiv für Adel und Besitzbürgertum, aber auch für Handwerker, die günstige Arbeitsgelegenheiten vorfanden. Von 1787 bis 1806 wuchs der Ort von neunundzwanzig auf einhundertsechsundzwanzig Häuser. Die vornehme Nachbarschaft verhinderte auch die Ansiedlung von Industrien. Der Hietzinger Friedhof an der Maxingstraße ist einer der schönsten und schönstgelegenen von Wien.

...Fabriken siedelten sich dafür in Ober- und Unter St. Veit an
Unter St. Veit, zunächst Neudörfl genannt, entstand erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts; daher fehlt ihm der dörfliche Ortskern. Hier siedelten sich hauptsächlich Gärtnereien an, daneben auch viele Färber- und Druckereibetriebe, deren Abwässer den Wienfluss immer stärker verschmutzten.
In Ober St. Veit ist der ursprüngliche Dorfcharakter noch deutlich erkennbar. Die seit dem 12. Jahrhundert nachweisbare Pfarrkirche wurde 1742 durch Matthias Gerl neu errichtet. Im 14. Jahrhundert wird der Ort als "In der Au" oder "Auf der Wien" bezeichnet. Bereits damals stand auf dem heutigen Wolfrathplatz das St. Veiter Schloss, das spätere Erzbischöfliche Palais. Seit 1365 in Besitz der Propstei Allerheiligen bei St. Stephan in Wien, wurde es später vom Bistum Wien erworben und 1762 an das Kaiserhaus verkauft, das es bereits 1777 wieder veräußerte. Zuvor wurde es 1762-1767 von Nikolaus Pacassi umgebaut. Nach Verwüstungen in der Franzosenzeit erfolgte 1819 eine neuerliche Restaurierung. Heute dient das Palais als Privatschule. Seit dem Entstehen des Neudörfls (Unter St. Veit) erhielt der alte Ort den Namen Ober St. Veit. Entlang der Wien entstanden auch in Ober St. Veit einige Fabriken, darunter eine Seidenfabrik und eine Zuckerraffinerie. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden in Ober St. Veit alljährlich ein Faschingsumzug und ein beliebter Kirtag abgehalten.

Die Festung des Wientals
Der Ort Hacking fand 1156 erstmal urkundliche Erwähnung. Das Geschlecht derer von Hacking ist bis ins 15. Jahrhundert nachweisbar. Ihnen gehörte auch eine "Veste", eine militärische Festung mit Erdwällen beiderseits des Wienflusses auf der Höhe der jetzigen U-Bahnstation Hütteldorf. Diese Fortifikation sollte den Weg durchs Wiental sperren. Sie wurde 1683 zerstört. Der Ort Hacking wurde kaiserlicher Besitz. Zu Zeiten Maria Theresias wurde hier – als flankierende Maßnahme zur Penzinger Seidenmanufaktur –  eine Maulbeerpflanzung angelegt. Hacking entwickelte sich nur sehr langsam und blieb bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ein armes Bauerndorf. Auf dem Grund des Hackinger Schlössls, eines kleinen Ehrenhofes mit Park, wurde 1956/57 ein Jugendgästehaus errichtet.

Der Lainzer Tiergarten schafft Arbeitsplätze
Das heutige Lainz, ein Ortsname, der slawische Herkunft verrät, wurde 1313 erstmals in einer Urkunde erwähnt. Die heutige Lainzer Straße war ein Teil der römischen Hochstraße, und der Ort, der schon im 11. Jahrhundert bestanden haben dürfte, bildete zusammen mit Speising eine Herrschaft. Bis ins 19. Jahrhundert hinein lebten die Bewohner von Lainz und Speising vor allem von der Holzarbeit im Lainzer Tiergarten und im Wienerwald. Sie arbeiteten als Holzknechte, Kohlenbrenner und Pecher. In den ersten Jahren unseres Jahrhunderts entstanden in der Ära Lueger in Lainz große kommunale Einrichtungen wie das Versorgungsheim (1902-1904) und das Lainzer Krankenhaus (1908-1913). Zum Wiener Stadtgebiet gehört auch der Lainzer Tiergarten, ein ehemaliges kaiserliches Jagdrevier, das unter Karl VI. mit einer festen Mauer umschlossen wurde. Seit 1919 ist der Lainzer Tiergarten der Öffentlichkeit zugänglich. Im Tiergarten liegt die Hermesvilla, die Kaiser Franz Joseph I. 1882-1886 für Kaiserin Elisabeth errichten ließ. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde im Bereich des Lainzer Tiergartens die von Adolf Loos entworfene Siedlung Friedensstadt angelegt. Ihre Grundsteinlegung erfolgte am 3. September 1921.

Kunst, Medizin und Technik
Der Ortsname Speising taucht 1355 erstmals urkundlich auf. Der alte Ortskern lag um die heutige Gallgasse, und der Ort teilte im Wesentlichen das Schicksal von Lainz. Um 1518 waren beide Orte vollkommen lutherisch. Vielleicht war das der Grund, warum ausgerechnet sie den Jesuiten überantwortet wurden, den heftigsten Vorkämpfern der Gegenreformation. Am „Rosenhügel“, auf dem früher ausgedehnte Rosenkulturen betrieben wurden, liegen neben Filmateliers das neurologische Krankenhaus und der Wasserbehälter der Ersten Hochquellenwasserleitung.
 

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Die Werkbundsiedlung

Vom Wohnen im Denkmal

Die Sanierung eines Baujuwels erster Klasse, der 1932 fertig gestellten Werkbundsiedlung im 13. Bezirk, soll 2016 abgeschlossen sein. Was bedeutet: Derzeit eine Flanerie durch die rote Musterwohnanlage unter dem «Roten Berg» zu empfehlen, ist ein gewagtes Unternehmen, denn im Moment könnte man dort vor allem lernen, wie man Baustellen optimal absichert. Andererseits: Auch die BewohnerInnen müssen den Baustellenlärm bis 2016, bis zur Entfernung des letzten Baugerüstes, genießen. Warum soll man den nach innovativer Architektur suchenden Fremden nicht zutrauen, dass sie sich die Baugerüste einfach wegdenken? Übrigens, wenn der Sanierungstrupp seine Baustelle wirklich so fein abgesichert hätte, wäre ich nicht, von der Woinovichgasse ausgehend, einem Weg gefolgt, der in ein Nichts zu führen schien, jedoch weder durch ein «Privateigentum! Durchgang verboten!”-Taferl  noch durch ein Baustellen-Betretungs-Verbot abgesperrt wurde. Ich folgte also diesem vermeintlich öffentlichen Pfad, auf neue architektonische AHA-Erlebnisse konditioniert, und bereitete einer Dame ein Aha-Erlebnis der unangenehmen Art. Sich in der Sonne räkelnd, lag sie in ihrem privaten Gartenbereich, und weil sie sich gerade überhaupt nicht als ein lebendiges Exponat einer Ausstellung fühlen wollte, kam sie mir mit dem Imperativ des Privateigentums: «Was machen Sie hier? Verlassen Sie bitte sofort das Gelände!». Ich entschuldigte mich für das unbeabsichtigte Störmanöver, fügte aber hinzu, dass sie sich ja denken könne, dass ich ein Erforscher der Werkbund-Anlage sei. Sie aber wiederholte nur: «Sie verlassen bitte jetzt sofort das Gelände!»

Das Verhalten der Frau gegenüber dem Eindringling in intime Bereiche störte mich nicht. Ihr Verhalten  war aber zum Teil eine Antwort auf die Frage, die ich ihr gestellt hätte, wenn ich sie an der Bushaltestelle getroffen hätte: Ist den Menschen die hier wohnen, bewusst, dass sie eine Ausstellung bewohnen, dass ihre Behausungen Exponate sind, über die es in der ganzen Welt Fachliteratur gibt und die Bewunderer aus ganz Europa anlocken? «Vielleicht hätte ich genauso reagiert wie diese Frau, wenn  plötzlich ein Mann mit einer Fotokamera vor mir gestanden wäre», schmunzelt Susanne Kompast, eine bildende Künstlerin, die hier seit 2008 wohnt und arbeitet. Sie habe noch wenig von einem Stolz der SiedlerInnen wahrnehmen können, wenig von einem Bewusstsein, eine Vorzeigeanlage zu bewohnen, wenig auch von einem «Wir-Gefühl» der WerkbundsiedlerInnen. «Derzeit meckern sie natürlich über die Sanierungsarbeiten. Und wenn sie gerade nicht darüber jammern, regen sie sich über bestimmte Männer in meiner Gasse auf, die beim Kartenspielen vor dem Haus zu lange zu laut kommunizierten. Der Umstand, dass die Leute hier in einer Stätte des kulturellen Welterbes wohnen, trägt nicht zu ihrem Glück bei. In gewisser Weise bringt ja der Status der Wohnanlage als Manifest der österreichischen Moderne, als Denkmal, als Geheimtipp aller architektonisch Interessierten, als Kulturgut usw. nur Nachteile für die MieterInnen. Sie haben viel strengere Auflagen als Menschen, die nicht in Denkmälern wohnen. Sie dürfen keine Satelliten-Schüssel anbringen, Balkone dürfen nicht durch Sichtschutzvorrichtungen entstellt werden und die Höhe der Hecken in den privaten Gärten hinter den Häusern ist vorgegeben.»

In ihrem Aufsatz über die «Denkmalwerdung» der Siedlung schreibt Anita Aigner im Ausstellungskatalog des WienMuseums: «Den Bewohnerinnen und Bewohnern, denen der architektonische Fachdiskurs keinerlei Beachtung schenkt, hatte die lang ersehnte Sanierung oft schmerzlich bewusst gemacht, was es heißt, in einem Denkmal zu leben. Es bedeutete für viele: Auslöschung persönlicher, für nützlich und/oder schön erachteter Adaptierungen. Und es bedeutet bis heute: absolute Unantastbarkeit der Gebäudehülle, ästhetische Kontrolle ...» Die BewohnerInnen hätten zwar gelernt, mit den ArchitekturtouristInnen umzugehen, viele seien sogar bereit, Interessierten Einlass zu gewähren, dennoch generierten die kulturellen Differenzen in der Bewohnerschaft immer wieder Konflikte: Eine Minderheit der «kultivierten» BewohnerInnen stehe ganz hinter dem Denkmalschutz und verlange auch von den anderen den «richtigen» Umgang mit den Objekten. Die Neobewohnerin Susanne Kompast müsste man wohl Anita Aigners Kategorie der «Kultivierten» zuteilen: die Malerin macht sich Gedanken, wie sie die Gnade, in einer Ausstellung weltberühmter Baukunst zu wohnen, integrieren kann in ihre künstlerische Selbstdarstellung, wie sie der Präsentation ihrer Werke Flair hinzufügt durch die Betonung des Ortes der Präsentation. Es ist die enge, aber dreigeschossige Wohnung im Reihenhausblock des Utrechter Architekten Gerrit Rietveld, der die Prinzipien der niederländischen Künstlervereinigung «De Stijl» nach Wien-Hietzing verpflanzte.

Eine ausgezeichnete Website – www.werkbundsiedlung-wien.at – und der wunderbare Ausstellungskatalog des WienMuseums bringen uns Geschichte und Intention der Werkbundsiedlung näher, daher im Folgenden eine sehr geraffte Chronologie. Die Wiener Werkbundsiedlung ist Teil einer Reihe von internationalen Bauausstellungen, die ihren Anfang in der 1927 errichteten Stuttgarter Siedlung am Weißenhof fand. Die von den Werkbundvereinigungen der einzelnen Länder errichteten Mustersiedlungen dienten als Sprachrohre des Neuen Bauens, das sich um das Interieur genauso kümmerte wie um die äußeren Formen des Wohnbaus. Der Österreichische Werkbund war im Jahr 1912 nach deutschem Vorbild gegründet worden und hatte sich die «Veredelung» der Warenwelt zum Ziel gesetzt. Er trachtete danach, dass auch dem «Unbemittelten, dem Kleinbürger und Arbeiter, wenn auch in sehr bescheidenden Grenzen […] nur solche Produkte geboten werden, die durch ihre Werktüchtigkeit erfreuen und die Wohnkultur fördern».

Die Internationale Werkbundsiedlung im 13. Wiener Gemeindebezirk wurde in den Jahren 1930–1932 errichtet und zählt zur Avantgarde der Architektur in  Österreich. Initiator und künstlerischer Leiter war der Architekt Josef Frank, der nach der Eröffnung der Wiener Werkbundsiedlung nur noch zwei Jahre in Österreich bleiben sollte. Er flüchtete 1934 vor dem Austrofaschismus nach Schweden. Die Siedlung umfasste insgesamt 70 kleine Einfamilienhäuser im Grünen, für deren Entwurf 33 ArchitektInnen verantwortlich zeichneten, darunter auch Adolf Loos und Margarete Schütte-Lihotzky.  Die Kleinhäuser der Siedlung in freistehender, gekoppelter bzw. zeilenförmiger Verbauung sollten die Vielfalt an unterschiedlichen Reihen- und Typenhäusern präsentieren und als mögliche Vorbilder für Grundtypen neuer Siedlungen dienen. Die vollständig eingerichteten Musterhäuser waren zum Verkauf bestimmt und konnten im Rahmen der «Internationalen Werkbundausstellung Wien» vom 5. Juni bis 7. August 1932 besichtigt werden. Die Ausstellung soll von mehr als 100.000 Interessierten besucht worden sein.

Die Ausstellung war ein Medien-Event. Darüber eine Passage aus www.werkbundsiedlung-wien.at:

Österreichs Zeitungen – vorneweg die Arbeiterzeitung – berichteten während des Sommers regelmäßig über Pro und Contra der „größten Bauausstellung Europas“. Für die Einen war die 70 Häuser umfassende Siedlung mit den Typenhäusern zu teuer, die einzelnen Häuser waren viel zu klein, in ihrer äußeren Erscheinung zu modern und die Grundrisslösungen verfehlt, während die andere Seite in ihr die Zukunft des modernen Kleinhausbaus und der modernen Wohnkultur sah. Polemisiert wurde, dass „in den meisten Kleinküchen weder der berühmte Wiener Apfelstrudel erzeugt werden kann noch aber jemand, der sich von Strudel ernährt, die Dimensionen hat, in so einer Küche zu arbeiten oder gar die Kellertreppe zu benützen“, an anderer Stelle wurden die Häuser als „Siedlungsbauten für Zwerge“ bezeichnet. Alles in allem aber überwog sowohl in der heimischen als auch der ausländischen Presse die positive Kritik. Die Arbeiterzeitung bezeichnete am Tag der Eröffnung die Siedlung als  „ein beispielgebendes Architekturmuseum, ohne auch nur im geringsten so zu erscheinen. Sie ist lebendigste Lebendigkeit“, und auch in der Neuen Freien Presse fand die Musterschau große Anerkennung: Die Kritiken reichten von „erstaunlich ausdrucksfähig und abwechslungsreich ist der neue Stil“ bis zur Bestätigung, dass die Häuser „nicht nur den Ideenreichtum der besten Architekten des In- und Auslands“ zeigen, sondern auch „dass man innerhalb bescheidener Ausmaße ein behagliches Leben führen kann, wenn auf beste Raumausnützung Bedacht genommen“ wird. Im Sinne Josef Franks hat es mit Sicherheit Max Eisler auf den Punkt gebracht, wenn er über die Werkbundsiedlung schreibt: „Denn es geht ja hier nicht um eine beliebige, mehr oder minder interessante Ausstellung, sondern um eine Lebensfrage unserer Kultur“.

Die Geschichte der Werkbundsiedlung ist für mich ein Beispiel für die Qualität der Beziehungen zwischen der Arbeiterbewegung und der intellektuellen Avantgarde des Landes. Eine entsprechende Liaison zwischen Macht und Geist (bzw. zwischen Politik und Geist) hat es nach der Niederlage der Linken im Jahr 1934 in Österreich nie mehr wieder gegeben. Nicht nur die führenden querdenkenden ArchitektInnen hatten ein Naheverhältnis zur den Sozialdemokraten. Während große Teile der Universität immer mehr einem irrationalen völkischen Mystizismus verfielen, blühte das sozialistische Volksbildungswesen auf, in dem Intellektuelle wie Wilhelm Reich, Anton Webern, Alfred Adler, Otto Neurath, Siegfried Bernfeld und viele andere auf eine begeisterte Zuhörerschaft stießen. «Heute scheint die Sozialdemokratie die Herausforderung, mit Intellektuellen umzugehen, an eine einzige Person delegiert zu haben: den Wissenschaftsreferenten der Gemeinde Wien Hubert Christian Ehalt. Ohne ihn hätten die Intellektuellen keinen Ansprechpartner in der ‚Arbeiterbewegung’, wenn man die Sozialdemokratie noch so nennen darf«, ätzt Susanne Kompast. Übrigens werde sie Ehalt fragen, ob er ihr Projekt, aus dem Zusammenbringen ihrer Kunst mit der Innen- und Außenarchitektur des niederländischen Avantgardisten ein Gesamtkunstwerk zu schaffen, für subventionswürdig halte ...

Robert Sommer


INFO-BOX

Webseite zur Werkbundsiedlung:
www.werkbundsiedlung-wien.at

Ausstellungskatalog Wienmuseum:
„Werkbundsiedlung Wien 1932 –
Ein Manifest des neuen Wohnens“

Farb- und Schwarzweißabbildungen, broschierte Ausgabe, 304 Seiten, erschienen im Müry Salzmann Verlag
ISBN 978-3-99014-071-0

Adresse:
Veitingergasse - Jagdschloßgasse - Woinovichgasse

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7 Loos Villen

Adolf Loos hat zahlreiche private Villen gebaut, die ab 1910 einem „Raumplan“ folgten, der Größe und Anordnung von der Funktion der Räume abhängig machte, sie dazu mehrgeschossig teilweise ineinander schachtelt und äußerlich zunehmend der Kubusform annähert. Der Schlüsselbau der Moderne ist das Haus von Hugo und Lilly Steiner – eine Vorwegnahme des „Internationalen Stils“:
Haus Steiner, 13, St.-Veit-Gasse 10 (1910)

Die weiteren Villen:
Haus Stössl, Wien 13, Matrasgasse 20 (1911–1912)
Haus Scheu, Wien 13, Larochegasse 3 (1912–1913)
Haus Horner, Wien 13, Nothartgasse 7 (1912–1913)
Haus Strasser, Wien 13, Kupelwiesergasse 28 (1918–1919)
Haus Reitler, Wien 13, Elßlergasse 9 (1922)
Haus Rufer, Wien 13, Schließmanngasse 11 (1922)

http://www.wien.gv.at/bezirke/hietzing/geschichte-kultur/einfamilienhaeuser-loos.html

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Veitingergasse 17 (1930-1932) 
Gesamtkonzeption: Josef Frank

Dieses Projekt untersuchte die Relation von Bauvolumen und Wohnwert. Die zentrale Frage war, wie mit einem Minimum an Raumaufwand ein Maximum an Räumlichkeit erzeugt werden kann. Insgesamt ist es ein Arrangement von über 30 Typenhäusern verschiedenen Kombinationen. (F. Achleitner). Österreichische und internationale Architekten waren eingeladen zu partizipieren, unter anderem Hugo Häring, Josef Hoffmann, Oskar Wlach, Adolf Loos, Ernst Plischke, Oswald Haerdtl, Richard Neutra, Gerrit Thomas Rietveld, Clemens Holzmeister, Ernst Lichtblau u.a. Seit 2011 wird die Wiener Werkbundsiedlung in Etappen saniert. Die Fertigstellung ist für 2016 geplant.

Informationen und Besichtigungsmöglichkeiten:
http://www.werkbundsiedlung-wien.at/de/die-siedlung-heute/besichtigung-vor-ort/

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Gustav Klimts letztes Atelier, Feldmühlgasse 11

Bauforschungen der KunsthistorikerInnen Helmut und Heide Buschhausen, Mario Schwarz und Gerhard Weißenbacher haben nachgewiesen, dass sich im Erdgeschoss des gegenwärtigen, zweigeschossige Villengebäude an der Adresse Feldmühlgasse 11 tatsächlich Gustav Klimts letztes Atelier befunden hat. Von 1911 bis zu seinem Tod 1918 schuf Klimt in diesem Atelier  einige seiner wichtigsten Werke. Damals noch ein ebenerdiges Gartenhaus, wurde es 1923 von der damaligen Eigentümerin zu einer neobarocken Villa umgebaut. Das bedeutet, dass Gustav Klimt das villenartige Gebäude, so wie es sich uns jetzt präsentiert, nie gesehen hat.

Gezeigt wird eine permanente Ausstellung rund um Klimts Atelier – die einzige an einem seiner ehemaligen Wirkungsorte. Das Konzept für die Ausstellungsräume wurde seitens des Bundesdenkmalamts durch Oliver Schreiber, außerdem vom gestaltenden Architekten Eduard Neversal und dem Klimt-Verein entworfen und umgesetzt. Betreiber ist das Kuratorium für künstlerische und heilende Pädagogik.

Informationen zum Gebäude, Öffnungszeiten etc.:
http://www.klimtvilla.at/

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Inmitten des ehemaligen kaiserlichen Jagdgebietes Lainzer Tiergarten liegt idyllisch eingebettet das „Schloss der Träume“, wie Kaiserin Elisabeth ihre Villa einmal nannte. Kaiser Franz Joseph machte sie ihr zum Geschenk, in der Hoffnung, seine reisefreudige Frau damit öfter in Wien halten zu können. In fünfjähriger Bauzeit schuf der bekannte Ringstraßen-Architekt Carl von Hasenauer diesen für viele romantische Landhäuser des Großbürgertums beispielgebenden Bau. Ihren Namen gab der Villa die im Garten stehende Statue "Hermes als Wächter". (Wien Museum)

Neben einer ständigen Ausstellung über die Geschichte des Hauses, zeigt das Wien Museum in dieser Außenstelle wechselnde Großausstellungen.

Informationen: http://www.wienmuseum.at/de/standorte/ansicht/hermesvilla.html

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Im Juli 1777 kam Clemens Wenzel von Sachsen, Kurfürst-Erzbischof von Trier, zu Besuch nach Wien. Er war verwandt mit Herzog Albert von Sachsen-Teschen, Schwiegersohn Maria Theresias, Gatte der Lieblingstochter Marie Christine. Zu Ehren des Trierisch-Sächsischen Besuchs gab das Marionettentheater des Fürsten Esterházy ein Spektakel, das den allerhöchsten Beifall fand. „Es wurden deswegen zu Schönbrunn ein Theater erbaut und die Marionetten und Decorationen nach Wien geführt“. Man spielte „Alceste“ eine Parodie auf die gleichnamige Oper von Christoph Willibald Gluck.

Auf dieser Tradition aufbauend, gründeten Christine Hierzer-Riedler und Werner Hierzer das Marionettentheater Schloss Schönbrunn, das als privates Theater geführt. Die beiden Gründer sind auch künstlerische Leiter. Das Theater hat ein fixes Ensemble. Die Marionetten, die Kostüme, das Bühnenbild und die Bühnentechnik werden in Zusammenarbeit mit prominenten RegisseurInnen, Bühnen- und KostümbildnerInnen in den hauseigenen Werkstätten hergestellt.

Infos und Karten:
https://www.marionettentheater.at/marionettentheater-schoenbrunn.html

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Schönbrunner Schloßstraße: Otto Wagner (1896-1899) – Der Pavillon des k. u. k. Allerhöchsten Hofes in Hietzing:
Der Bau der Stadtbahn war das größte Infrastrukturprojekt in Wien um 1900. Otto Wagner (1841-1918), der Wegbereiter der modernen Architektur, wurde mit der künstlerischen Gestaltung des neuen Massenverkehrsmittels betraut, das bis heute das Stadtbild prägt. Auf seine Initiative geht die Errichtung eines eigenen Pavillons für Kaiser Franz Joseph und den „Allerhöchsten Hof“ bei der Haltestelle Hietzing zurück. Der  Bau erhielt ein unverwechselbares, repräsentatives Äußeres und eine kostbare Innenausstattung im Jugendstil, die ganz auf die Bedürfnisse des Kaisers abgestimmt war. Dass der Kaiser den Pavillon allerdings nur zwei Mal für eine Fahrt mit der Stadtbahn nutzte, war für Otto Wagner sekundär: Im Vordergrund stand der imperiale Glanz, der auf dem kleinen Bauwerk lag und der modernen Architektur zum Durchbruch verhelfen sollte.
(Wienmuseum)

Momentan wird der Pavillon, der eine Außenstelle des Wien Museums Karlsplatz ist, saniert und ist ab 21. Juni 2014 jeweils Sa und So von 10.00-18.00 zugänglich.

http://www.wienmuseum.at/de/standorte/ansicht/otto-wagner-hofpavillon-hietzing-1.html?L=%2Fproc%2Fself%2Fe%27%22&cHash=2d8f0f425e05f96188b333d831f9f39a

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Girzenberg, Roter Berg, Trazerberg

Am Ostrand des Lainzer Tiergartens liegt der Girzenberg im Bezirksteil Ober St. Veit und bildet mit zwei fast gleich hohen Hügeln, dem 250 m nordwestlich gelegenen Trazerberg und dem 400 m östlich gelegenen Roten Berg, einen zusammenhängenden, nicht von Straßen durchschnittenen Grünraum. Unter den drei Bergen verläuft von Nordwest nach Südost der Lainzer Tunnel.

Info: http://de.wikipedia.org/wiki/Girzenberg

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Schönbrunner Schlosspark beim Neptunbrunnen

Der Neptunbrunnen im Schlosspark wurde zwischen 1776 und 1779 errichtet. Die gewaltige Figurengruppe mit dem Meeresgott an der Spitze wurde aus Sterzinger Marmor vom Bildhauer Wilhelm Beyer erschaffen. An die gewaltige Anlage des Neptunbrunnens schließt der Tierpark Schönbrunn an. Hier befindet sich seit April 2009 Landtmann’s Parkcafé der Familie Querfeld.
http://www.landtmann-parkcafe.at/

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Die spannende Geschichte der Familie Dommayer, Dommayergasse 1/Auhofstraße 2:

  • Kaffeehaus/Jausen Station (Dick, 1787)
  • Gastwirtschaft (Reiter, 1817)
  • Dommayer’s Kaffeh- und Traiteurhaus
    (Ferdinand Dommayer, 1823)
  • Casino Dommayer mit Tanzsaal
    (Ferdinand Dommayer 1828/29; 1908 demoliert – Parkhotel Schönbrunn)
  • Dommayerhof
    (Fam. Schneyder, 1918, Dommayergasse)
  • Café Dommayer (Familie Senal ab 1935;
    Familie Gerersdorfer ab 1963, bis 2006)
  • Kurkonditorei Oberlaa (ab 2006)

Infos: http://de.wikipedia.org/wiki/Caf%C3%A9_Dommayer

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Das ehemalige „Café Tiergarten“, heute Heurigenschenke zur Wildsau (Slatingasse 22),  wurde nicht nur durch ein paar Szenen im „Kaisermühlenblues“, sondern auch durch eine eigene TV-Serie, „Mozart und Meisel“ berühmt. In dieser Serie ging es um zwei Lokalbesitzer (gespielt von Götz Kauffmann und Andreas Vitásek), und das Lokal, das als Kulisse diente, war ebendiese „Wildsau“. Legendär ist der Blick über Wien, die Ausschank mit Selbstbedienung und das Heurigenbuffet im Inneren, alle Speisen sind hausgemacht. Grete Krommer betreibt mit ihrem Mann Martin die „Wildsau“ seit dem 1. Mai 1985. Nur Sommerbetrieb!

Infos: http://www.wildsau.at/

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Das ehemalige Gasthaus Doll, heute  Gasthaus Lindwurm, liegt am Rande des Lainzer Tiergartens und ist bis heute ein beliebtes Ausflugsziel. Die dort befindliche Wiese heißt  „Dollwiese“.

Infos: www.gasthaus-lindwurm.at

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Hörbuch

Flanerien konkret

StadtFlanerie Werkbundsiedlung

Werkbundsiedlung

Samstag, 24. Juni 2017, 16 Uhr

Die Künstlerin Susanne Kompast wird uns durch die Geschichte und Gegenwart der Wiener Werkbundsiedlung führen, 1930–1932 als Musterbeispiel für das „neue Wohnen“ errichtet. Initiator und künstlerischer Leiter war der Architekt Josef Frank, einer der wichtigsten Vertreter der sogenannten „Zweiten Wiener Moderne“ der Zwischenkriegszeit, dem es beim Entwurf um eine maximale Raumausnützung bei gleichzeitiger Schaffung einer modernen und lebendigen Wohnkultur ging. Auch der Soziologe Otto Neurath hat an der Idee mitgewirkt. Für die Entwürfe der insgesamt 70 Einfamilienhäuser waren 33 Architekt*innen verantwortlich. Die Siedlung liegt in einer grünen Umgebung, direkt am Roten Berg, und zum Ausklang kann das Urban Gardening Selbsternteprojekt Roter Berg besucht werden.

Teilnehmerbeitrag: 7 Euro
Anmeldung erforderlich:
office@aktionsradius.at 01/3322694, Treffpunkt wird bei Anmeldung bekannt gegeben!

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